Gesellschaftsstruktur
Im
16. Jahrhundert begann sich die absolute Machtposition eines Herrschers über
sein Land zu verringern. Grund hierfür war die Herausbildung der Stände, die
fortan einen Gegenpol zu Kaiser und Hofstaat darstellen sollten. Die Stände
wurden von den Großgrundbesitzern gebildet; diese waren von nun an die Vertreter
des Landes und gewannen daher an politischem Einfluß.
Während in den Städten reiche Bürger den kleinen Gewerbetreibenden gegenüberstanden,
befand sich der Grundbesitz hauptsächlich in den Händen des Adels und der
hohen Geistlichkeit. Im Gegensatz zu den mächtigen Grundherren konnten deren
Untertanen, die Bauern, keinerlei Einfluß auf politische Entwicklungen und
Entscheidungen nehmen, obwohl es (theoretisch) Aufgabe der Grundherren war,
als Gegenleistung zum Zehent der Bauern deren Interessen wahrzunehmen und
sie vor äußeren Feinden zu schützen. Statt sich dieser Aufgaben bewußt zu
sein, beuteten Aristokratie und Klerus ihre rechtlosen Untertanen aus.
Dieser ungrechtfertigten Behandlung versuchte die unterdrücke Bevölkerung
ein Ende zu bereiten. Von 1524 bis 1526 kam es daher zum "Großen Deutschen
Bauernkrieg", der vom Reformationsgedanken geleitet war. Ziel des Aufstandes
war es nicht, die Zentralgewalt des Kaisers zu unterminieren, sondern die
Unterdrückung durch die Grundherren zu beseitigen. Diese Rebellion gegen die
soziale Ungerechtigkeit wurde jedoch niedergeschlagen und blieb erfolglos.
1595-97 kam es unter Rudolf zu erneuten Aufständen in Ober- und Niederösterreich.
Reformation und Gegenreformation
Der Thesenanschlag Luthers im Jahr 1517 in Wittenberg sollte für die Politik
des 16. Jahrhunderts bestimmend sein und in der Folge stets zu Konfrontationen
zwischen Katholiken und Anhängern des Protestantismus führen. Wegbereiter
des Protestantismus waren primär Landesfürsten und die Bevölkerung der Reichsstädte.
Der überwiegende Teil der Bevölkerung war nicht an theologischen Aspekten
interessiert, sondern erhoffte sich eine Beseitigung der immer größer werdenden
Mißstände. Seine besondere Ausbreitung fand der Protestantismus bis ca. 1560,
als fast 90% der Bewohner des Heiligen Römischen Reiches zu seinen Anhängern
zählten.
Die Revolution zeigte politische, gesellschaftliche und ökonomische Wirkung.
Die Landesfürsten erhofften sich Reformen innerhalb des Reiches, eine Säkularisierung
und Enteignung der geistlichen Herrschaftsgebiete. 1545 wurde von Papst Paul
III. das Konzil von Trient einberufen, das bis 1563 tagte. Innerkirchliche
Reformen sollten durchgeführt werden. Das Glaubensbekenntnis (Katechismus)
wurde definiert, um die Autorität des Papstes wieder herzustellen. Zentrale
Diskussionspunkte des Konzils betrafen die Glaubensauslegung, den Zölibat
und den Ablaß. Jedoch vermochten weder der Augsburger Religionsfriede von
1555, noch das Wormser Religionsgespräch von 1557, die den Städten und Fürstentümern
Religionsfreiheit zusichern sollten, Herrschaftsansprüche und politische Streitigkeiten
zu verhindern.
Seit der Erfindung des Buchdruckes war der Zugang zur Bildung nicht mehr der
Geistlichkeit vorbehalten. Um eine Untergrabung ihrer Dogmen zu verhindern,
versuchte die katholische Kirche immer wieder in den verschiedenen Ländern
und Diözesen Kontrolle über den Buchhandel zu erlangen. 1564 ließ Papst Pius
IV. den Index Librorum Prohibitorum erstellen, um die Ausbreitung humanistischen
und reformatorischen Gedankenguts zu verhindern. Die Gegenreformation begann
1561 mit den Hugenottenkriegen in Frankreich. Im Heiligen Römischen Reich
wurde sie getragen von Erzherzog Ernst sowie Kardinal Khlesl (in OÖ und NÖ)
und Kaiser Ferdinand II. (in der Steiermark und in Kärnten).
Wissenschaft
und Wirtschaft
In
die Zeit Rudolfs fiel auch der Übergang vom Mittelalter in die Neuzeit, der
Humanismus war die prägende Kraft. Bedeutende Wissenschafter, die im 15. und
16. Jahrhundert wirkten, seien hier nur beispielhaft genannt: Kopernikus -
heliozentrisches Weltsystem, Kepler - astronomisches Fernrohr, Galilei - Fall-,
Wurf- und Pendelgesetze, Gutenberg - Buchdruck etc.
Der hohe Adel und hohe Geistlichkeit bildeten den Reichstag, die höchste politische
Institution innerhalb des römisch-deutschen Reiches. Die Stände verfügten
über das Recht, Steuern zu bewilligen und konnten den Herrscher auf diese
Weise zu politischem Einverständnis mit ihren Forderungen zwingen. Der Großteil
der Stände bestand aus Protestanten, daher gestalteten sich Entscheidungsfindungen
oftmals schwierig.
Die Wirtschaft erlebte zu dieser Zeit großen Aufschwung; Gewerbe und Handel
breiteten sich aus. Die Güterproduktion wurde rationalisiert, eine kleine
Arbeiterschicht begann sich in den Städten (z. B. Textilhandwerk) und Bergbaugebieten
(Knappen und Salinenarbeiter) herauszubilden. Der Wohlstand im 16. Jahrhundert
war nicht bloß auf der landwirtschaftlichen Produktion begründet. Bedeutend
waren zu dieser Zeit Bergbau und Montanindustrie sowie die Textilindustrie.
Die starke Bevölkerungsvermehrung trug ebenso zum wirtschaftlichen Aufschwung
bei.
Die politische
Situation in Europa
Die politische Landschaft in Europa zur Zeit Rudolfs II. war durch Zerrüttung
und Feindschaften gekennzeichnet: Das Heilige Römische Reich war um 1550 in
300 einzelne Fürstentümer aufgeteilt: 7 Kurfürsten, 33 deutsche Fürstentümer,
50 Bistümer, 76 Abteien, 107 Grafschaften, 85 freie Reichstädte und andere
kleinere Herrschaften.
In Spanien regierte König Philipp II., der gegen England, Frankreich, die
Niederlande und die Türken kämpfte. Besonders mit England bestand ein feindschaftliches
Verhältnis, weil Elisabeth I. Philipp als Ehemann ablehnte. Seine endgültige
Niederlage in der Auseinandersetzung mit England erlitt Philipp 1588, als
die spanische Armada im Ärmelkanal vernichtend geschlagen wurde. Die soziale
und politische Situation in Frankreich war durch die grausame Hugenottenverfolgung
gekennzeichnet. Kaiser Karl IX. ließ 1572 in der sogenannten Bartholomäusnacht
ca. 20.000 Hugenotten ermorden.
Die Ausbreitung der Türken im Osten stellte eine immer größer werdene Bedrohung
für das Heilige Römische Reich dar, begünstigte jedoch die Macht der Stände.
Durch Zugeständnisse und die Erlaubnis freier Religionsausübung versuchten
die Herrscher der damaligen Zeit (seit Karl V.) ihre Hausmacht zu sichern.
Obwohl während des 16. Jahrhunderts versucht wurde, durch Schürung der Furcht
gegenüber den Türken eine Sozialisierung des Adels und der Geistlichkeit zu
erreichen, kam es zu einer politischen Radikalisierung innerhalb des Reiches.