Nach
dem Tod seines Vaters, Maximilian II., erwarb Rudolf Anspruch auf das sogenannte
"kaiserliche" Ungarn sowie Böhmen. Beide Länder befanden sich seit Ferdinand
I. unter habsburgischer Herrschaft. Ferdinand I. war der Schwager des in der
Schlacht von Mohács gefallenen ungarischen Königs Ludwig II. Jagiello. Ungarn
war zur damaligen Zeit in drei Territorien geteilt: Westungarn umfaßte das
Gebiet von der Slowakei bis nach Kroatien. Mittelungarn, die ungarische Tiefebene
zwischen Donau und Theiß, stand unter osmanischer Herrschaft. Siebenbürgen
befand sich ebenfalls zumeist in Abhängigkeit des Osmanischen Reiches.
Nachdem
die Türken bereits im 15. Jahrhundert weit auf den Balkan vorgedrungen waren
und Byzanz erobert hatten, drangen sie zur Zeit Rudolfs immer mehr nach Ungarn
vor. Die Niederlage der ungarischen Armee gegen Sultan Süleyman in der Schlacht
von Mohács stellte Rudolf vor die schwierige Aufgabe, sein Herrschaftsgebiet
gegen die Osmanen zu verteidigen. Der römisch-deutsche Kaiser bemühte sich
stets zum Hof in Istanbul gute Beziehungen zu wahren, standen ihm doch zeitlebens
drei verschiedene Sultane (Murad III., Mehmed III., Ahmed I.) feindlich gegenüber.
Die Kriegstechnik der Osmanen war in Europa wegen ihrer Schnelligkeit und
Gewandtheit gefürchtet. Die Truppen bestanden aus einer leichten Reiterei,
die durch Fußtruppen ergänzt wurde, um eine dauernde Besetzung eines Gebietes
zu ermöglichen. So gelang es den Türken im Laufe der Eroberungen in den Kontinenten
Asien, Afrika und Europa Fuß zu fassen.
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Der
kaiserliche Hof reichte als Ort für politische Entscheidungen nicht aus. Dem
Kaiser unterstand eine Vielzahl von Verwaltungsbehörden des Heiligen Römischen
Reiches, Österreichs, Böhmens und Ungarns. Der Rat des Kaisers setzte sich
aus (vorwiegend böhmischem) hohen Adel zusammen. Ihm gehörten beispielsweise
Georg Popel von Lobkowitz oder Karl von Liechtenstein an. Siegmund Vieheuser
bekleidete das Amt des Vizekanzlers, Jakob Kurz von Senftenau war Reichsvizekanzler.
Geheimsekretäre des Kaisers waren Johann Barvitius sowie Andreas Hanewald,
der das Amt des Reichshofsekretärs einnahm und dem Kaiser auch in den schwierigen
Zeiten des Bruderzwistes unterstützend zur Seite stand. Das führte dazu, daß
er ebenso wie Rudolf eingekerkert wurde.