Orte der Erinnerung

Anhaltelager Wöllersdorf


Unser nächstes Ziel war das ehemalige Anhaltelager Wöllersdorf.
Wie schon zuvor informierte uns Professor Safr während der Fahrt über die Situation der damaligen Zeit. Wir passierten viele Orte schlimmer Erinnerungen, die von den meisten Menschen vergessen und nicht an unsere Generation weitergegeben wurden. Nur sehr wenige Leute heutzutage wissen noch, dass es in ihrer Nähe solche Orte - Orte, an denen Menschen unter unmenschlichen Qualen gelitten haben - gibt.
Wir hielten am Offizierscasino, einem Gebäude der ehemaligen k.u.k. Munitionsfabrik, welches sich vor dem Anhaltelager auf demselben Gelände befand. Einige mit Photoapparaten ausgerüstete Mitschüler stiegen aus und schossen Photos. Ebenso stoppte der Bus kurz beim so genannten "23er Haus", einem Gebäude, das noch aus der Zwischenkriegszeit der Zeit des Anhaltelagers stammte und in welchem vermutlich auch Inhaftierte untergebracht gewesen waren. An einem Billa-Parkplatz machten wir eine Pause, in der uns Professor Safr über Orte und Lebensverhältnisse im Anhaltelager Wöllersdorf aus einem Buch vorlas. Es ist schrecklich zu hören, unter welch grausamen Verhältnissen die Menschen damals in diesen Konzentrationslagern leben mussten. Ich persönlich stelle mir die Frage, ob man das, was die Menschen damals an diesen Orten durchgemacht haben, überhaupt als "Leben" bezeichnen kann.
Es ist still im Bus. Nach einer kurzen Pause, in der die meisten Schüler zum Billa einkaufen gingen um sich mit einer kleinen Jause zu versorgen, trafen wir einander nach einer Viertelstunde beim Bus. Von dort aus gingen wir zu Fuß zu einem Mahnmal, das uns an die Opfer der Februarkämpfe 34 erinnern soll. "12. Februar 1934 - Den Opfern des Kampfes für Demokratie und Freiheit", steht auf einer der steinernen Mahnmäler geschrieben. Ein eisiger Wind bläst über unsere Köpfe und lässt uns frieren. Auch Fredis diesmal gelungener Sprung von einer Erhöhung lässt uns nur kurz auflachen.
Vor der Billa-Filiale interviewten wir Einheimische über das Anhaltelager Wöllersdorf. Neben vielen sich im "Stress" befindlichen Personen gab es auch immer wieder sympathische Menschen, die es zugaben, wenn sie das Anhaltelager nicht kannten. Diese Personen klärten wir mit 2 Fotos und einem kurzen Text darüber auf. Selbstverständlich begegneten wir auch einigen gut informierten Menschen, die uns Informationen über das Anhaltelager Wöllersdorf geben konnten.


Anhaltelager
Am 21. September 1933 übernahm Dollfuß das Innenressort. Er erließ eine Verordnung, um "sicherheitsgefährliche Personen" zu verhaften und ohne gerichtliches Verfahren zur "Verhaltung in einen bestimmten Ort zu verbringen" (zitiert nach Portisch 1989, S.435).
Hitler hatte kurz zuvor die ersten Konzentrationslager für politische Gegner in Oranienburg und Dachau errichtet. Im Oktober 1933 wurden in Wöllersdorf bei Wiener Neustadt und in Kaisersteinbruch nach deutschem "Vorbild" die ersten politischen Anhaltelager errichtet.
Dort wurden zunächst Nationalsozialisten und Kommunisten, nach dem Februar 1934 auch Sozialdemokraten eingesperrt. Die Behandlung der Häftlinge war allerdings besser als jene in deutschen Konzentrationslagern (Vergleiche Dusek 1988, S.207).

MAHNMAL "Anhaltelager Wöllersdorf 1934"
Standort: Feuerwerksanstalt (Kreisverkehr)
Die ab 1933 autoritär handelnde Regierung Dollfuß verordnete im September 1933 die Errichtung eines Anhaltelagers für ihre Gegner - vorerst für Kommunisten und Sozialdemokraten, später auch für illegale Nationalsozialisten. Die Wahl des Standortes fiel auf Wöllersdorf. Hier standen die Objekte der ehemaligen Wöllersdorfer Werke seit 1922 leer. Nach den blutigen Februartagen 1934 wurde das Lager rasch erweitert, um hunderte Häftlinge aufzunehmen. Am 12. Februar 1974 errichtete man zur Mahnung an diese unselige Zeit unserer Geschichte dieses Mahnmal.
Eine der Inschriften lautet:
"Den Opfern im Kampf für die Demokratie und Freiheit in Österreich".
Quelle: Dir. Hermann Schifer